Hape Kerkeling und der verhexte Wald

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In seinem durchaus spannenden (Tage-) Buch über seinen Pilgerweg nach Santiago de Compostela („Ich bin dann mal weg!“) im Jahre 2001 berichtet Hape Kerkeling von einer seltsamen Begebenheit, die er am 16. Juli auf dem Weg nach Portomarin erlebte.

Er wanderte gerade durch ein ausgetrocknetes Flußbett, als sich eine junge Pilgerin namens Rita sich ihm zugesellte. Soche spontanen Pilgergemeinschaften sind auf dem camino keine Seltenheit. Kerkeling war zuerst auch recht angetan, da Rita sich als eine sehr unterhaltsame Begleiterin erwies.

Plötzlich aber blieb sie abrupt stehen, erbleichte und fragte Hape mit entsetzter Stimme: „Hörst du das?“ Er lauschte, aber außer Vogelgezwitscher war nichts zu vernehmen. „Was soll ich denn hören?“, fragte er zurück. „Die Geister! Hörst du sie denn nicht?“ Und sie beginnt von den abstruse Dinge zu erzählen, die sie gerade „hört“.

Hape hörte eine Weile zu, in Gedanken aber damit beschäftigt, wie er sie schnellstmöglich wieder loswerden kann. Als sie ihm sagt, dass seine tote Großmutter ihn grüßen lasse, platzt ihm dann der Kragen: „Hör mal, den Müll kannst du woanders loswerden, aber bitte nicht bei mir! Adieu!“ Woraufhin sich Rita tatsächlich -beleidigt- trollte.

Etwa eine Stunde später – er durchquerte gerade einen dichten Wald mit seltsam verkrüppelten Kiefern – als er auf einmal Sheelagh, eine seiner beiden sonstigen Pilgergefährtinnen, völlig ratlos an einer Weggabelung stehen sieht: „Hans, I´m lost!“ Sie, eine selbstbewusste und zielstrebige Neuseeländerin, hatte sich komplett verlaufen und völlig die Orientierung verloren. Sie irrte schon seit stunden in dem Wäld umher.

Sie wandern nun gemeinsam – wie Hänsel und Gretel – weiter durch diesen häßlichen und recht unheimlichen Wald. Plötzlich horcht Hape auf und fragt: „Hörst du das? Ein Martinshorn!“ Irritiert schaut Sheelagh ihn an: „Ich höre nichts!“ Aber Hape vernimmt es weiterhin ganz deutlich. Fange ich jetzt auch schon an zu spinnen wie diese Rita, fragt er sich beklommen.

Der Wald wir noch düsterer, der bislang blaue Himmel beginnt sich plötzlich zuzuziehen. Sie wandern durch eine kleines steiniges, aber leicht morastiges Flußbett. Plötzlich rutscht Sheelagh aus. Sie prallt mit dem Kopf auf einen Findling und landet voll im Matsch. Sie hat mehere Platzwunden und Abschürfungen, blutet und ihr ist schwindelig.

In diesem Moment taucht wie aus dem Nichts ein Jeep auf, will genau an der Stelle vorbei, wo Sheelagh liegt und hupt wie ein Irrer. Hape schafft die lädierte Sheelagh beiseite, und mit durchdrehenden Rädern – mit einer Schlammdusche für Hape und Sheelagh – rast der Jeep weiter. Erst jetzt kommt Hape in den Sinn, dass das ja eigentlich eine unterlassene Hilfeleistung ist.

Nachdem er Sheelagh halbwegs verarztet hat, nehmen sie die Wanderung wieder auf. Sie hat sich bei ihm untergehakt und humpelt tapfer neben ihm her. Irgendwann beginnt sie zu lachen und wiederholt immer wieder: „Was für ein verhexter Tag!“

Irgendwann endet der Wald und sie machen in einer Schänke Rast. Er bettet das Bein von Sheelagh auf einen Stuhl und bestellt zwei Milchkaffee bei einer Kellnerin. Wenig später stürzt die Chefin des Hauses herein und schreit: „Oh, Gott! Ist schon wieder etwas passiert! Was ist es denn heute?“ Hape klärt sie über den Sturz auf.

Aufgeregt sagt die Besitzerin: „Wissen Sie, dieses tal aus dem sie kommen, ist verhext … ! Das ist das valle de la brujas (Tal der Hexen). Solche Dinge passieren hier ständig. Leute stürzen, kriegen Panikattacken oder irren über Stunden durch den Wald!“

Wenig später taucht Anne, die andere Weggefährtin auf, die an diesem Tag auch alleine gewandert war. Und auch sie hatte sich in dem Wäldchen äußerst unwohl ( „wahnsinnig nervös und aufgekratzt“) gefühlt.

Einige Zeit später erreichen sie zu dritt Portomarin, ihr Tagesziel. Als beim Abendessen plötzlich Rita vor ihnen steht, fragt Hape sie gutgelaunt: „Na, was machen die Geister?“ Woraufhin sie wieder loslegt und davon erzählt, was sie tagsüber vernommen hat. Zum Glück dann aber nicht allzulange! Danach nagt stundenlang an Sheelagh der Selbstzweifel!

Das Kapitel endet mit einem etwas nachdenklichen Hape: „Es ist fast gruselig, die starke Sheelagh so hilflos zu erleben. Bisher war sie unsere Stütze, jetzt müssen Anne und ich mal zur Abwechslung das Ruder übernehmen!“ ( Zusammenfassung von S. 317 – 327)

An dieser Stelle möchte ich noch eine eigene Begebenheit hinzufügen. Ich machte vor einer Reihe von Jahren in Bremen einen längeren Spaziergang mit einem problembeladenen Freund. Wir befanden uns gerade im Stadtwald, den er recht gut und ich halbwegs gut kannte. Plötzlich fing er in einer Weise zu klagen und mit Gott zu hadern, die ich hier nicht wieder geben möchte. Ich versuchte ihn zu beruhigen, was ihn aber zu noch größerer Wut anstachelte. Schließlich schrie er in maßloser Wut  gen Himmel: „Ich will später (von Dir) über jede Sekunde meines  Lebens Rechenschaft abgeliefert bekommen“

Ich war angesichts dieses Ausbruchs wie benommen. Gewiß, seine Probleme waren wirklich enorm, aber dass er es wagte so mit Gott zu reden!? „Komm“, sagte ich,“ lass uns nach Hause  gehen.“  Und dann passierte das  Unglaubliche. Wir fanden, obwohl wir uns doch auskannten und der Wald jetzt auch nicht so groß ist, einfach nicht heraus. Wie in einem Labyrinth irrten wir umher und ich hatte das  Gefühl als wenn meine Gedanken regelrecht aus meinem Gehirn  abgesaugt würden. Es war richtig unheimlich. Schließlich, nach längerer Zeit des Herumirrens, sah ich auf einmal einen kleinen Pfad … und wir waren draußen.

 

Über heinrich58

Im Jahre 1985 habe ich unter dramatischen Umständen im Alter von 27 Jahren zum christlichen Glauben gefunden. Die Geschichte kann man hier nachlesen: http://wendepunkte.jimdo.com/im-banne-des-bösen/
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