Warum ich kein Naturalist geworden bin

Es im Alter von 26 Jahren, also 1983 oder 1984, als ich „Der Abbau des Menschlichen“ von Konrad Lorenz las, in der gewisser Weise um eine recht lebendige Darstellung und Untermauerung der Evolutionstheorie ging. Natürlich war ich schon in der Schule damit in Berührung gekommen, aber sie hatte mich – ehrlich gesagt – nicht sonderlich interessiert oder beeindruckt.

Dieses Mal aber war das anders. Ich war wirklich beeindruckt von dem Lorenzbuch. Plötzlich dämmerte mir, dass dies ja im Grunde genommen bedeuten würde, dass ich lediglich Natur wäre und mit meinem Ableben nicht mehr weiterexistieren würde. Ein Gedanke, der mir recht unangenehm war,  Aber mir jetzt doch recht bedeutsam erschien!

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mit der Frage eines Weiterlebens nach dem Tode nicht weitergehend beschäftigt gehabt. Alle meine Bemühungen waren mehr oder  weniger darauf gerichtet in dem diesseitigen Leben glücklich zu werden. Wovon ich damals aber „Lichtjahre“ entfernt zu sein schien.

In gewisser Weise war ich damals ein Agnostiker oder  Ignostiker, also der sich bezüglich des Weiterlebens nach dem Tode  nicht festgelegt hatte und dies im Grunde genommen auch nicht für nötig hielt. Aber das Lorenzbuch hatte mich aufgewühlt und arbeitete wohl innerlich in mir.

Jedenfalls stand ich eines Tages alleine auf dem Balkon eines Freundes und blickte in die Ferne,  als mir plötzlich – wie aus heiterem Himmel – der Gedanke kam: Wenn wir Menschen wirklich nur Natur sind, dann wäre ja (fast) Alles erlaubt. Dann gibt es eigentlich keine wirklichen moralischen Regeln oder Verbote! Alles wäre  erlaubt, man dürfte sich nur  nicht erwischen lassen!  

Für jemanden wie mich mit einer katholisch-moralischen  Erziehung ein geradezu revolutionärer Gedanke.  Gut, dachte ich, wenn die  Evolutionstheorie wirklich stimmt – und dies erschien mir nicht abwegig –  und ich wirklich nur dieses eine Leben habe, warum dann nicht konsequent meinen Vorteil suchen?

Ein paar Augenblicke ließ ich diese Frage voll auf mich wirken. Und dann überlegte ich ob ich mich für eine solche vorteilssuchende Lebensweise entscheiden sollte. In diesem Moment hatte wirklich nicht viel gefehlt und ich beinahe hätte mich zum Naturalismus bekehrt, mit den zuvor beschriebenen Konsequenzen.

Aber plötzlich wurde mir richtig mulmig zumute und mir war als ob mich eine innere Stimme warnte: „Lass das besser!“  Ok, dachte ich , ich lass  es lieber! Und irgendwie fühlte ich mich erleichtert als ich kurz danach wieder in die Wohnung des Freundes zurückkehrte … Damals wusste ich noch nicht, dass ich knapp ein Jahr später mich genau in die andere Richtung nämlich – zum christlichen Glauben bekehren würde: Meine Bekehrungsgeschichte


    

Über heinrich58

Im Jahre 1985 habe ich unter dramatischen Umständen im Alter von 27 Jahren zum christlichen Glauben gefunden. Die Geschichte kann man hier nachlesen: http://wendepunkte.jimdo.com/im-banne-des-bösen/
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